Theatertherapie


Die Theatertherapie gehört zu den Künstlerischen Therapien wie Tanztherapie, Kunsttherapie oder Poesietherapie. Sie bietet eine unmittelbare Selbsterfahrung und eignet sich für Einzelklienten, Paare und Gruppen.

Theatertherapie ist eine noch junge Therapierichtung: Oft werden gleiche oder ähnliche Methoden unter den Begriffen Dramatherapie, Therapeutisches Theater, Psychychodrama, therapeutisches Rollenspiel, Rituelles Theater genannt. Alle diese Ansätze unterscheiden sich graduell, sowohl in den kreativen Elementen als auch in der Zielsetzung.
Theatertherapie wie ich sie verstehe ist eine handlungs- und erlebnisorientierte Technik und im besten Sinne ganzheitlich. Sie schult die Selbst- und Fremdwahrnehmung. Durch die therapeutische Begleitung können Sie Ihre Erfahrungen verstehen und in Ihre Persönlichkeit integrieren.


Ursprung der Theatertherapie

Viele Strömungen der Theaterarbeit haben therapeutische Elemente. Die heilende Kraft des Theater und theatraler Rituale wird in vielen Kulturen genutzt, um Veränderungen wie den Übergang vom Kind zum Erwachsenen zu begleiten, oder Teilnehmern und Zuschauern Werte der Gemeinschaft zu vermitteln, Handlungen darzustellen oder Erfahrungen zu ermöglichen, die über Alltagserfahrungen hinaus gehen.

Theatertherapie ist heute in vielen Ländern wie den USA, Niederlande und England eine anerkannte und in das staatliche Gesundheitswesen integrierte Therapieausrichtung. In Deutschland wird sie meist in sozialen Einrichtungen oder Kliniken angeboten und wird genauso wie andere Künstlerische Therapien nicht als eigenständige Therapiemethode vom Gesundheitswesen anerkannt.


Wurzeln der Theatertherapie

Die Methoden der Theatertherapie basieren auf Techniken der Theaterpädagogik, der Gestalttherapie und dem Psychodrama.

Einer der Gründer der Gestalttherapie, Fritz Perls, spielte bereits als Kind in privaten Aufführungen und als Jugendlicher als unbezahlter Statist im konventionellen Theater. Später wurde er bezahlter Statist am expressionistischen Deutschen Theater, das von Max Reinhard geleitet wurde. Die Suche Max Reinhards nach wahrhaftiger Darstellung und Echtheit und seine Kritik am bürgerlichen Verbergen der Gefühle beeindruckten Fritz Pers tief. Er nahm an Max Reinhards Schauspielklassen teil und eine zeitlang wollte er auch Schauspieler werden.

Die Erfahrungen mit Körperarbeit, Rollenspiel und anderen theatralen Techniken und später dem Psychodrama waren für die Begründer der Gestalttherapie eine wichtige Quelle, die sich heute in den vielfältigen gestalttherapeutischen Techniken wiederfinden.


Was ist Theatertherapie?

Der therapeutische Schwerpunkt in der Theatertherapie liegt nicht auf dem, was Probleme und Schwierigkeiten macht, sondern auf den Fähigkeiten und besonderen Qualitäten des Einzelnen, sie ist also ressourcen- und nicht defizitorientiert. Die Herangehensweise führt vom Wahrnehmen und Erleben zum Erfassen zum reflektierenden Verstehen zum Erklären und dann zur Integration.


Rollenspiel als ganzheitliche Erfahrung

Durch das intensive Erleben im Spiel werden auf allen Ebenen des Denkens, Fühlens und Handels Erfahrungen gemacht, die sich leichter, als rein über die Sprache erarbeitete Erkenntnisse, in Ihren Alltag außerhalb der Therapiesituation integrieren lassen.
Sie brauchen als Klient in einer Theatertherapie keinerlei darstellerisches Talent. Spielfreude und die Lust am Ausprobieren von verschiedenen Gefühlen und Verhaltensweisen reichen völlig aus.


Erprobung von Verhaltensmustern

Der Mensch ist ein Wesen, das von Kindheit an spielt. Von klein auf ahmen wir andere Menschen nach, seien es Eltern, andere Erwachsene, oder Phantasiefiguren aus Abenteuergeschichten und Märchen. Als Kinder schlüpfen wir spielerisch in die unterschiedlichsten Rollen und erproben dabei die verschiedensten Verhaltensweisen.


Methoden der Theatertherapie

Die Theatertherapie umfasst psychodramatischen und theaterpädagogische Elemente. Neben szenischem Spiel (mit oder ohne Sprache) gehören Körperarbeit, Arbeit mit Objekten, Phantasiereisen und vieles mehr zum Methodenrepertoire, um Gefühle, Handlungsweisen und Situationen in allen Facetten auszuloten. Übliche Verhaltensregeln wie „vernünftig und erwachsen sein“, gelten bei theatertherapeutischen Übungen nicht.

Wie im Spiel der Kindertage dient dabei die Rolle als Vorlage, um Erfahrungen zu machen. Ob Sie dabei lieber Situationen aus Ihrem Alltag, frei erfundene Szenen oder Traumfragmente unter die Lupe nehmen wollen, bleibt Ihnen überlassen.


Beispielhafter Ablauf einer theatertherapeutischen Sitzung

Eine theatertherapeutische Übung oder Szene umfasst drei Schritte.


Schritt 1: Herausarbeiten des Konflikts

Zuerst arbeiten Sie mit mir im Gespräch eine Situation aus Ihrem Alltag heraus, die Sie belastet, oder bei der Sie nicht verstehen, warum Sie sich so komisch gefühlt oder verhalten haben. Gemeinsam besprechen wir die Rahmenbedingungen der Situation und wie wir sie nachstellen können. Damit steht die Spielszene.


Schritt 2: Durchspielen der Konfliktsituation

Dann versetzen Sie sich mit meiner Hilfe in diese Situation mit all ihren Aspekten des Erlebens und Sie beginnen die Szene zu spielen. Wir unterbrechen immer wieder unser Spielszene und betrachten den Verlauf von außen. Ich werde Ihnen zum Beispiel Vorschläge machen, wie Sie den Ablauf der Situation, Ihr Verhalten, oder Ihre Körpersprache anders gestalten könnten und dann steigen wir wieder in die Spielszene ein und spielen sie in dieser veränderten Weise.
Oder wir tauschen die Rollen und ich schlüpfe in Ihre Rolle und Sie übernehmen die Rolle des Gegenübers. So kann ich Ihr Erleben und Sie das Erleben Ihres Gegenübers nachvollziehen. Somit stehe ich Ihnen sowohl als Spielpartner als auch als Therapeutin zur Verfügung.

Sie können dabei Ihr Verhalten in der gespielten Situation so lange verändern, bis Sie das Gefühl haben – ja so ist es besser und gut. Damit ist die Arbeit in der Szene beendet.


Schritt 3: Reflektion der Spiel-Erfahrungen

Als dritten Schritt reflektieren Sie mit meiner Hilfe die gemachten Erfahrungen. Damit holen Sie die erarbeitete „bessere und gute“ Verhaltensweise in Ihr Bewusstsein und können sie dann in Ihr zukünftiges Handeln integrieren.

Dies als Beispiel für eine theatertherapeutische Szene.


REDAXO